Bericht von unserer Jugendreferentin Heike Ulrich vom Kirchentag in Dortmund

Zu elft gemeinsam mit rund 90 weiteren Teilnehmer*innen der EJUS aus Stuttgart fuhr die Jugendarbeit in der letzten Pfingstferienwoche mit drei Reisebussen zum „DEKT“ nach Dortmund. „Was für ein Vertrauen!“ lautete das diesjährige Motto. Vertrauensvoll wagten wir uns in ein einmaliges Abenteuer: Wenig komfortabel in einer dem baldigen Abriss wegen Modernisierung zum Opfer fallenden Schule waren wir als Jugendarbeit Wangen in einem kleinen, stickigen Klassenzimmer untergebracht, zusammen mit weiteren 400 Jugendlichen aus ganz Deutschland. Man lernt sich zwangsläufig ganz nah kennen! Das alles nimmt man auf sich, um in einer überwältigenden Angebotspalette von anregenden, kreativen, unbekannten und außergewöhnlichen Programmen seine persönlich interessanten Veranstaltungen auswählen zu können beim Markt der Möglichkeiten, in Großveranstaltungen wie Konzerten, Gottesdiensten, Vorträgen oder Podiumsdiskussionen, aber auch in Bibelarbeiten oder Workshops.
Dass wir viel erlebt haben, zeigt sich auch am täglichen Laufpensum: zwischen 11 und 17 Kilometern legten wir im Schnitt zurück!
Am Abend der Begegnung sammelten wir erste Eindrücke, nahmen am Eröffnungsgottesdienst teil, schlenderten durch die Innenstadt, ließen uns treiben und durch die angebotenen Leckereien verführen – waren einfach bereit, begeistert zu werden. Auf der Zeche Zollern erlebten wir ein ökumenisches Feieragapemahl unter dem Motto „Glückauf und Halleluja“ – ein beeindruckendes Abendmahl, wunderbar gestaltet von jeweils zwei katholischen und evangelischen Pfarrer*innen. Im Anschluss daran fand ein gemeinsames Picknick statt, bei dem die ortsansässigen Gottesdienstbesucher*innen großzügig ihre mitgebrachten leckeren Speisen und Getränke mit uns als Gäste des Kirchentags teilten.
Die Jugendlichen waren sich einig: „Es war so wunderbar – alle waren so herzlich zu uns – die wollten alle, dass wir viel essen – es war sooo lecker!“ Die besondere Atmosphäre unter freiem Himmel auf dem ehemaligen Zechengelände ließ diesen Abend für uns alle zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.

Beeindruckend für uns alle war der leidenschaftliche Vortrag in der Westfalenhalle von Professor Heribert Prantl, Jurist und als Journalist Leiter des Meinungsressorts der Süddeutschen Zeitung: Ängstigt euch nicht! War der Titel seines Vortrags, der durch Samuel Harfst und Band musikalisch untermalt wurde. In einer blumigen Sprache verstand er es, Mut zu machen in einer Zeit, in der durch Klimawandel, Sozialabbau, Flüchtlingskrise, Extremismus, Populismus und Kriegsdrohungen von machtgierigen Politikern die Angst um sich greift. Jede*r einzelne kann durch zupackende Solidarität, durch Besonnenheit und v.a. durch ‚Hirn einschalten‘ etwas gegen diese Zukunftsängste beitragen. Prantl propagiert, dass jede*r mutig in seinem Teil mit Leidenschaft arbeiten kann und so kleine Schritte für eine positivere Zukunft mitgestalten kann: „Aus Mikropolitik wird Makropolitik“. Gemeinsam Weltverantwortung übernehmen.
Für die jugendlichen Teilnehmer*innen war das Konzert von Adel Tawil auf dem Hansaplatz als Abschlussveranstaltung sehr berührend und bewegend. Er schreibt wunderschöne Texte, sorgt für eine sensationell vergnügte Stimmung mit fetziger Popmusik und lädt ein zu ausgelassenem Tanz. Gemeinschaft und Nähe waren dann auch beim anschließenden Abendsegen spürbar. Ein Gefühl von Gänsehaut stellte sich automatisch ein.
Dass Kirchentag äußerst anstrengend ist, zeigt folgende Begebenheit: Irgendwann im Laufe der Tage kamen wir am Bahnhof in Dortmund immer wieder an einer Werbewand mit einem Zitat vorbei, das ungefähr so lautete: „Man fühlt sich immer so jung wie die Intensität seiner Begeisterung.“ Darauf eine Teilnehmerin spontan: „Dann bin ich heute 100!“

Was bleibt, ist das Gefühl, dass sich hier das Christsein ganz lebendig und ganz praktisch gezeigt hat. Viele Worte, Lieder, Begegnungen und Emotionen bleiben haften. Wir sind alle dankbar für die erlebten Momente und werden den Kirchentag so schnell nicht vergessen. Danke, liebe Kirchengemeinden Wangen und Hedelfingen als Spenderinnen eines großzügigen Zuschusses für alle Teilnehmer*innen, dass uns dieses Gemeinschaftserlebnis ermöglicht wurde.

Heike Ulrich